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Suchtähnliche Verhaltensmerkmale

  • Autorenbild: zumlorcheborn
    zumlorcheborn
  • 6. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

sucht

Spielen ist für Hunde mehr als nur Zeitvertreib es ist Ausdruck von Lebensfreude, Training für Körper und Geist, und eine der schönsten Formen, die Bindung zum Menschen zu stärken. Doch was, wenn die Begeisterung für Ball, Frisbee oder Quietschspielzeug überhandnimmt? Eine neue Studie liefert erstmals Hinweise darauf, dass Hunde suchtähnliches Spielverhalten entwickeln können also eine Art “Spielsucht” bei Hunden.

Studie: Suchtähnliche Verhaltensmerkmale bei Hunden mit extremer Motivation zum Spiel

Veröffentlicht wurde die Arbeit 2025 im Fachjournal Scientific Reports unter dem Titel «Addictive-like behavioural traits in pet dogs with extreme motivation for toy play».

Das Forschungsteam um Alja Mazzini, Katja Senn, Federico Monteleone und Stefanie Riemer von der Universität Bern untersuchte 105 Haushunde, die besonders stark auf Spielzeug reagierten. Mithilfe von Verhaltenstests und Besitzerfragebögen wollten die Forschenden herausfinden, ob diese Hunde ähnliche Kriterien erfüllen wie Menschen mit sogenannten Verhaltenssüchten also Abhängigkeiten ohne Substanz wie etwa Spielsucht bzw. Gaming Sucht.

Das Ziel war ambitioniert: zu verstehen, ob Hunde, die übermäßig auf Spielzeug fixiert sind, Verlangen (Craving), mangelnde Selbstkontrolle oder übersteigerte Fixierung zeigen und damit Parallelen zu menschlichen Suchtmechanismen aufweisen.

Suchtähnliche Merkmale: Der AB-T-Score

Um die Ergebnisse vergleichen zu können, entwickelten die Forschenden einen sogenannten AB-T-Score (Addictive-like Behaviour Tendency Score). Dieser fasst zusammen, wie stark ein Hund in Tests und laut Fragebögen suchtähnliche Merkmale zeigt.

High-AB Hunde: zeigten hohe Werte auf dieser Skala – sie waren besonders fixiert auf ihr Spielzeug, konnten sich kaum ablenken lassen, und spielten weiter, auch wenn es keinen Sinn mehr hatte.

Low-AB Hunde: erreichten niedrige Werte – sie zeigten zwar Freude am Spiel, aber kein zwanghaftes oder unkontrolliertes Verhalten.

Wichtig: „High-AB“ bedeutet nicht, dass der Hund süchtig ist. Es heisst nur, dass er in bestimmten Situationen mehr suchtähnliche Tendenzen zeigt als andere Hunde.

Beobachtet wurden etwa:

Starkes Craving, also ein intensives Verlangen nach dem Spielzeug, begleitet von Unruhe und Muskelspannung

Hohe Salienz, der Hund blendet andere Reize wie Futter oder Ansprache aus, weil das Spielzeug im Fokus steht

Mangelnde Selbstkontrolle, wenn das Spielzeug nicht erreichbar ist

Beharrlichkeit, weiterzumachen, obwohl das Ziel unerreichbar bleibt

Wie Forscher die Spielsucht bei Hunden testeten: Der Versuchsablauf

Um zu untersuchen, ob Hunde tatsächlich suchtähnliches Verhalten beim Spielen zeigen, entwickelten die Forschenden einen detaillierten Versuchsaufbau, der sowohl Verhaltensbeobachtungen als auch eine Befragung der Halter umfasste.

Die Experimente fanden in einem speziell eingerichteten Raum statt, der rund 3,6 × 3,36 Meter gross war. Eine Holztrennwand teilte ihn in zwei Bereiche. Im Testraum standen zwei Stühle, mehrere Regale und eine durchsichtige Kiste, in der Spielzeug oder Futter verstaut werden konnte die sogenannte unsolvable task box. In dieser Box wurden während mehrerer Subtests das Spielzeug eingeschlossen, sodass der Hund das Objekt sehen, aber nicht erreichen konnte. Vier Kameras zeichneten jede Bewegung auf. Der Versuchsleiter zeigte eine Kiste mit verschiedenen handelsüblichen Spielzeugen etwa Bälle, Zerrspielzeuge und Plüschtiere. Der Besitzer wählte drei aus, die der Hund besonders mochte. Spielzeuge mit Futterbezug wurden ausgeschlossen, um die Motivation klar vom Futtertrieb zu trennen. Die drei Spielzeuge wurden im Abstand von 40 cm auf den Boden gelegt. Der Hund durfte 30 Sekunden frei wählen, womit er spielen wollte. Das bevorzugte Spielzeug kam dann im weiteren Test zum Einsatz.

Insgesamt bestand der Versuch aus 14 Untertests, die gezielt darauf ausgelegt waren, Reaktionen auf die Nichtverfügbarkeit des Spielzeugs zu beobachten also Situationen, in denen der Hund das Spielzeug zwar in der durchsichtigen Kiste sah, aber nicht erreichen konnte. Genau hier zeigte sich, ob Verhaltenselemente auf eine Art „Spielsucht“ hindeuteten.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie

Von den 105 getesteten Hunden zeigten 33 Tiere eine hohe Tendenz zu suchtähnlichem Verhalten. Besonders auffällig war,

Craving: High-AB Hunde reagierten deutlich stärker, wenn das Spielzeug entzogen wurde sie hechelten, waren angespannt und konnten sich kaum beruhigen.

Salienz: Sie ignorierten alternative Reize wie Futter oder soziale Interaktion, sobald das Spielzeug im Spiel war.

Selbstkontrolle: Während Low-AB Hunde schneller aufgaben, versuchten High-AB Hunde teils minutenlang, eine verschlossene Box mit Spielzeug zu öffnen.

Beharrlichkeit trotz Folgen: Laut Besitzern spielten manche Hunde weiter, selbst wenn sie sich überanstrengten oder Verletzungsrisiken drohten.

Nicht alle Kriterien menschlicher Süchte konnten jedoch auf Hunde übertragen werden. Phänomene wie Toleranzentwicklung, Entzugssymptome oder Rückfallverhalten ließen sich im Rahmen der kurzen Tests nicht beobachten. Auch die Stimmungsmodifikation also Spielen, um sich besser zu fühlen zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Parallelen zu Spielsucht beim Menschen?

Die Forschung zeigt, dass Hunde in bestimmten Fällen Verhaltensweisen entwickeln können, die menschlichen Verhaltenssüchten ähneln insbesondere, wenn es um übermäßige Spielmotivation geht. Auch wenn die Studie keine endgültige Diagnose einer „Spielsucht“ bei Hunden stellt, lassen sich spannende Gemeinsamkeiten beobachten.

Neurologische Grundlagen

Bei Hunden wie Menschen hängt intensives Spielverhalten eng mit Neurotransmittern zusammen etwa Dopamin, Endorphinen und Cannabinoiden. Diese Systeme vermitteln Belohnung und Motivation, ähnlich wie bei Nahrungs- oder Drogenbelohnungen beim Menschen.

Kriterien der Verhaltenssucht

Von 105 untersuchten Hunden zeigten 33 Tiere suchtähnliche Tendenzen die sogenannten High-AB Dogs. Im Verhaltenstest schnitten sie deutlich höher ab bei

Craving (Verlangen): starke Fixierung auf das Spielzeug, Unruhe, Muskelspannung

Salience (Bedeutsamkeit): Vernachlässigung anderer Reize zugunsten des Spielzeugs

Lack of self-control (mangelnde Selbstkontrolle): Schwierigkeiten, das Spiel zu unterbrechen, selbst wenn das Spielzeug unerreichbar war

Beharrlichkeit trotz widriger Folgen: High-AB Hunde spielten länger mit der Kiste oder starrten länger auf das Spielzeug, auch wenn sie sich überanstrengten oder Risiken für Gelenke und Bänder entstanden. Dies erinnert an das Verhalten von Menschen mit Verhaltenssüchten, die ihre Aktivität trotz negativer Konsequenzen fortsetzen.

Parallele Entwicklung aus Spiel: Auch beim Menschen beginnen viele Verhaltenssüchte wie Glücksspiel Sucht ursprünglich als Spiel. Bei Hunden könnte übersteigerte Spielmotivation ähnliche Mechanismen aktivieren.

Einschränkungen und Unterschiede

Nicht messbare Kriterien: Aspekte wie Toleranz, Entzug oder Rückfall konnten im kurzen Test nicht erfasst werden.

Mensch-spezifische Kriterien: Zwei der typischen Diagnosemerkmale für menschliche Verhaltenssüchte etwa Probleme im sozialen Umfeld oder am Arbeitsplatz sowie Täuschung nahestehender Personen über das eigene Verhalten können auf Hunde nicht übertragen werden.

Überschneidungen mit anderen Phänotypen: Intensives Spielverhalten kann auch Ähnlichkeiten zu Hyperfokus, ADHS oder Zwangsverhalten zeigen. High-AB Hunde zeigten teilweise hohe Impulsivität und Aktivität, weshalb noch weitere Forschung nötig ist, um reine Spielsucht eindeutig abzugrenzen.

Wann ist Spiel noch gesund und ab wann kritisch?

Nicht jedes intensive Spielverhalten ist gleich problematisch. Spieltrieb ist ein wichtiger Bestandteil des Hundeverhaltens er stärkt Bindung, baut Stress ab und sorgt für Auslastung. Kritisch wird es erst, wenn Spielzeug andere Bedürfnisse verdrängt oder das Verhalten zwanghaft wirkt.

Anzeichen, auf die du achten kannst:

Dein Hund reagiert beim Spielen kaum noch auf dich oder Futter.

Er wird unruhig, sobald das Spielzeug weg ist.

Er spielt bis zur Erschöpfung oder ignoriert Schmerzen.

Er fordert das Spielzeug ständig ein und kann schwer abschalten.

Wenn du einen oder mehrere Punkte davon wiedererkennst, ist das kein Grund zur Panik aber ein Hinweis, dass dein Hund eventuell Unterstützung braucht, um wieder mehr Balance zu finden.

Was du als Hundehalter tun kannst

Abwechslung schaffen: Verwende verschiedene Spielzeuge und wechselnde Spiele, um Monotonie und dadurch zu starke Fixierung auf bestimmte Gegenstände zu vermeiden.

Impulse kontrollieren: Übe Signale und Kommandos wie „Warten“, „Aus“ oder „Stopp“ das stärkt die Selbstregulation deines Hundes.

Ruhe fördern: Nach dem Spielen sind Entspannungsphasen wichtig, um das Erregungsniveau zu senken.

Vielfalt bieten: Ergänze reine Spielzeug Spiele durch Suchspiele, Nasenarbeit oder soziale Interaktion.

Beobachte Veränderungen: Wenn dein Hund übermäßig fixiert bleibt, zieh eine Hundetrainer oder Verhaltensexperte hinzu.

In unseren entsprechenden Beiträgen findest Du ausführlichere Tipps:

Fazit: Spieltrieb Ja, Spielsucht eher nicht

Die neue Studie zeigt eindrucksvoll, dass Hunde tatsächlich suchtähnliche Spielmuster entwickeln können wenn auch nicht im medizinischen Sinne einer „Sucht“. Das Thema „Spielsucht bei Hunden“ erinnert uns daran, wie eng Motivation, Belohnung und Emotionen im Verhalten unserer Vierbeiner verknüpft sind. Für dich als Halter heißt das: Spiel ist wichtig, aber Mass und Balance sind entscheidend. Ein gesunder Hund spielt begeistert aber kann auch loslassen.

Und genau das ist die schönste Form von Spiel, wenn es Spaß macht, ohne zu beherrschen.


C. Kaul

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